NABU-PREETZ-PROBSTEI Der Postsee – gefährdete Schönheit Alle Preetzer kennen und lieben ihren Postsee als Naherholungsgebiet und Naturoase, an dem man nicht nur herrliche Sonnenuntergänge, sondern auch zahlreiche Wasservögel beobachten kann. Besonders im Herbst sammeln sich hunderte an Gänsen auf dem Postsee, vor allem auch Nonnengänse und Bläßgänse wie auf dem Bild zu sehen (Photo: Johannes Imhoff).
Beim genaueren Hinsehen im Spätsommer zeigt sich jedoch, dass die Idylle getrübt ist. Aufgrund der Überdüngung des Gewässers kommt es mitunter zu Schaumbildungen und unappetitlich quietschgrünem Wasser. Der Schaum entsteht durch zerschlagene Eiweißstoffe abgestorbener Mikroorganismen, wie beim Eischnee. Hauptverantwortlich sind hierfür Massenentwicklungen von Cyanobakterien, die früher auch als Blaualgen bezeichnet wurden. Daher werden ihre Massenentwicklungen gelegentlich auch heute noch als „Blaualgenblüten“ bezeichnet, auch wenn das nicht korrekt ist. Manche dieser Cyanobakterien scheiden auch Gifte aus, die sich bei solch massiver Entwicklung im Wasser anhäufen können und beim Menschen Ausschlag, Erbrechen und Augenentzündungen verursachen können. Da man beim Schwimmen leicht etwas Wasser verschluckt, sollte man bei massiver Vermehrung von Cyanobakterien lieber nicht im Postsee schwimmen, und Hunde sollten nicht daraus trinken.
Diese Cyanobakterienblüten haben deutlich negative Folgen für das gesamte Ökosystem, z. B. verhindern sie den Lichteinfall in tiefere Wasserschichten, den Unterwasserpflanzen benötigen. Der Zustand der Unterwasservegetation wird mit „unbefriedigend“ benotet.
Die abgestorbenen Cyanobakterien sinken zu Boden und bei ihrer Zersetzung wird in erheblichem Maße Sauerstoff verbraucht. Die in ihnen gebundenen Nährstoffe werden wieder freigesetzt und verbleiben im Wasserkörper.
Die Cyanobakterienblüten sind primär eine Folge des viel zu hohen Nährstoffgehaltes im Wasser (der Postsee befindet sich im Zustand „polytroph“ – mit dem Trophiegrad werden die Gewässer anhand ihres Nährstoffgehaltes klassifiziert). Das Wachstum der Cyanobakterien wird außerdem von der Klimaerwärmung begünstigt, da sie sich in warmem Wasser besonders gut entwickeln. Die Morphologie des Postsees spielt ebenfalls eine Rolle: mit nur 3 Metern durchschnittlicher Wassertiefe ist der Postsee für Überdüngung viel anfälliger als tiefere Gewässer.
Die wichtigste Rolle für die Überdüngung des Gewässers spielt der Gehalt an Phosphor. Woher gelangt aber der Phosphor in den See?
14% des Phosphors stammen aus Schmutzwasser, 51% aus diffusen Quellen, 13% von versiegelten Flächen, 18% von oberhalb gelegenem Einzugsgebiet, 4% aus Regenwasser. Die diffusen Quellen, die den Hauptteil der Überdüngung verursachen, sind hauptsächlich Düngemittel aus der Landwirtschaft. Ob die neue Düngemittelverordnung diese Einträge reduzieren kann? Es bleibt abzuwarten. Die Anlage von Gewässerrandstreifen wäre eine sehr gute Möglichkeit, diese Einträge zu minimieren. Hierzu gibt es Förderprogramme durch das Land, dies setzt aber die Bereitschaft der Landeigentümer voraus.
Haben die Cyanobakterien natürliche Feinde? Die einzigen Tiere, die Cyanobakterien fressen sind Wasserflöhe (Daphnien). Die Wasserflöhe werden aber ihrerseits von bestimmten Fischarten gefressen, so dass ein hoher Bestand dieser Fischarten wiederum die Vermehrung der Cyanobakterien begünstigt. Dass es sich im Sommer 2021 bei der „Algenblüte“ um Cyanobakterien handelte, ergab eine Auswertung von Satellitenbildern. Bestimmte Satelliten können die Farbpigmente von Cyanobakterien erkennen, von denen manche blau-grünlich schimmern, daher auch ihre ursprüngliche Bezeichnung als „Blaualgen“.
Besonders erschreckend deutlich wird einem die schlechte Wasserqualität des Postsees, wenn man sich im Spätsommer/Frühherbst den Zusammenfluss von Postau (Mühlenau) mit der Schwentine im Harderpark anschaut: Die Schwentine kann einem schon leidtun! Das giftgrüne, überdüngte Wasser der Postau (Mühlenau), dem Abfluss des Postsees, färbt das bis dahin relativ klare Wasser der Schwentine trübe.
Ich danke Frau Plambeck vom Seendezernat des Landesamtes für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) für die Informationen zum Trophiegrad des Postsees, den Quellen des Phosphorgehaltes und die Hinweise zur Satellitenbildauswertung.

Angelika Rudow
Gänse Auf Postsee Gänse Auf Postsee
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